Stell dir vor: dir werden zwei Jobs angeboten. Bei einem beträgt das Gehalt 65.000 € im Jahr. Das andere Unternehmen zahlt nur 50.000 € im Jahr, aber bietet dir zusätzlich 1.000 Aktien an. Für welchen Job solltest du dich aus finanzieller Sicht entscheiden?

Startups in der Gründungsphase können, was das Gehalt angeht, mit den großen Namen auf dem Markt nicht mithalten. Um den niedrigeren Lohn auszugleichen, bieten sie zusätzlich zum Gehalt oftmals Aktien an, um die Top-Talente anzulocken. Deshalb ist es wahrscheinlich, dass du irgendwann in deiner Karriere Unternehmensanteile angeboten bekommst. Und es wird dir sicherlich schwerfallen, den tatsächlich finanziellen Wert zu bemessen. 

Es gibt viele Aspekte, die es zu beachten gilt, wenn du ein Jobangebot bewertest, das Aktien beinhaltet. Sperrfristen, Ausübungspreis, Steuern…schauen wir uns das etwas genauer an!

Was sind Unternehmensanteile oder “Mitarbeiterbeteiligungen” 

Durch Unternehmensanteile wirst du ein(e) Aktionär*in in deinem Unternehmen. Wie? Indem du Aktien zu Vorzugskonditionen kaufen kannst. Die Vorteile sind nicht sofort für dich sichtbar: es wird mehrere Jahre dauern, Vermögenszuwächse zu erzielen, die du zu Geld machen kannst.

Der größte Vorteil von Unternehmensanteilen

Aktien ergänzen dein Gehaltspaket um eine aufgeschobene, aber potenziell beträchtliche Vergütung - umso mehr, wenn du bei einem Unternehmen anfängst, das gerade erst gegründet wurde und später einen Aufschwung erlebt.

Je jünger das Unternehmen, desto finanziell lukrativer können die Unternehmensanteile am Ende sein. Wenn du darüber nachdenkst, ergibt es Sinn: ein Start-up hat weniger Ressourcen, um seine Mitarbeiter*innen zu bezahlen und kann die Zukunftsaussichten weniger gut einschätzen als ein etabliertes Unternehmen auf dem Markt. Aus diesem Grund sind Start-ups in der Regel großzügiger mit ihren Unternehmensbeteiligungen als Unternehmen, die schon länger bestehen.

So funktioniert es

Eine aktienbasierte Vergütung kann für alle Angestellten verfügbar sein oder nur für ausgewählte Mitarbeiter*innen  (zum Beispiel nur einige oder alle Manager*innen). Du kannst damit Unternehmensaktien an einem festgelegten Datum und zu einem festen Preis  kaufen (oder gratis erhalten).

Im Laufe deiner Karriere kannst du auf folgende Regelungen treffen:

  • ESOP  (Employee Stock Option Plan)
  • VSOP (Virtual Stock Option Plan)

Andere Vorteile von Unternehmensanteilen

  • Du könntest sehr viel Geld verdienen, was dir hilft, langfristig Vermögenswerte zu aufzubauen (du könntest damit zum Beispiel Eigentum kaufen).
  • Es könnte nicht unerhebliche Steuervorteile haben.
  • Als Anteilseigner*in (beim ESOP) könntest du bei wichtigen Entscheidungen Stimmrechte haben und zudem Einsichten in die Unternehmensprojekte und Entwicklungspläne erhalten.
  • Du könntest zu einem reduzierten Preis Anteilseigner*in des Unternehmens werden

Die größten Nachteile von Unternehmensanteilen

  • Wenn es dem Unternehmen nicht gut geht, sinkt auch der Wert deiner Aktien. Stell dir Unternehmensanteile also als eine zusätzliche Einnahmequelle vor; aber bedenke, dass es keine Garantien gibt.
  • Die Mitarbeiterbeteiligung ist eine Form der aufgeschobenen Vergütung. Das bedeutet, dass du geduldig sein und lange genug im Unternehmen bleiben musst, um in den Genuss der Vorteile zu kommen.
“Es ist wichtig, das Gehalt - was sicher und stabil ist - und aktienbasierte Vergütung nicht zu verwechseln. Die Vorteile von Letzterem sind hypothetisch und langfristig”.

- Florent Artaud, Country Manager bei SeedLegals

Das musst du wissen, um deine potenziellen Einnahmen einschätzen zu können

  • Die Anzahl an zugewiesenen Aktien.
  • Der Ausübungspreis (oder Basispreis), das bedeutet, der für die Aktie angegebene Preis.
  • Die aktuelle Unternehmensbewertung.
  • Die Prognose für das Unternehmen, wodurch du die Entwicklung deiner Aktien einschätzen kannst.

Die letzten zwei Punkte sind wesentlich, um deine möglichen Einnahmen zu bewerten. Ohne sie kannst du nicht den aktuellen Wert des Unternehmens oder das Wachstumspotential bewerten. Zögere nicht, deine(n) künftige(n) Arbeitgeber*in oder Manager*in danach zu fragen. 

Wie du den Wert deiner aktienbasierten Bezahlung beurteilen kannst

Es ist möglich, eine genaue Bewertung in dem Zeitraum zu erhalten, in der das Unternehmen Kapital aufnimmt. Wenn ein Start-up Kapital aufnimmt, wird es mit einem bestimmten Betrag bewertet. Wende diesen Betrag pro Aktie einfach auf die Anzahl der von dir gehaltenen Aktien an, um die Erträge zu berechnen, die erwarten kannst. Das Schwierige daran ist, Zugang zu diesen Informationen zu erhalten… Du solltest dich danach erkundigen, wenn du dein Gehalt verhandelst. Sei aber nicht überrascht, wenn der/die Personalverantwortliche diese Informationen nicht preisgeben möchte.

Was du beachten solltest, wenn du das Potenzial eines Unternehmens bewertest 

  • Die Erfahrung des Gründer oder der Gründerin: bei einer/einem Entrepeneur*in, die/der bereits erfolgreich war, ist es wahrscheinlicher, dass es wieder zum Erfolg kommt, denn sie kennen die Regeln des Unternehmertums. Zudem mögen Investor*innen mehrmalige Unternehmer*innen. Daher ist es wahrscheinlicher, dass solche Unternehmen mehr Kapital erhalten als andere.
  • Die Geschäfte des Unternehmens und sein Wachstumspotenzial: diese Bewertung ist etwas komplizierter und erfordert mehr Recherche (Befragung von Expert*innen, Wettbewerbsanalyse, Lesen von entsprechendem Quellenmaterial, etc.)
  • Die Erfahrung der Investor*innen (wenn die erste Runde der Finanzierung bereits begonnen hat).
“In diesem Punkt gibt es keine Geheimnisse: Top-Geldmittel ziehen Top-Start-ups an. Wenn ein Investor bereits Mittel für Instagram, Doctolib und Weibo bereitgestellt hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Team erfolgreich sein wird"

- Lucas Mesquita, Mitbegründer der Startups Revolte und Caption. 

Anders ausgedrückt: an dieser Front sitzen Risikokapitalgeber*innen und Kandidat*innen im selben Boot. Versuche, bevor du zusagst, zu bewerten, ob das Unternehmen das Zeug dazu hat, seine Ziele zu erreichen, und ob es deine Mühen wert ist, auf den unternehmerischen Zug aufzuspringen.

Mehr als 6000 Leute haben auf talent.io ihren Job gefunden

Wir helfen dir gerne dabei, den Job zu finden, den du verdienst. Kein Spam, nur hochwertige und gezielte Angebote, die deiner favorisierten Rolle und deinem Wunschgehalt entsprechen.

Erhalte jetzt Angebote

Die wichtigsten Pläne 

ESOP (Employee Stock Option Plan)

Das Aktienbezugsrecht besteht aus drei wesentlichen Schritten:

1/ Das Unternehmen bietet dir die Möglichkeit, eine bestimmte Anzahl an Aktien für einen im Voraus festgelegten Betrag zu erwerben, der in der Regel ermäßigt ist. 

2/ Nach einem bestimmten Zeitraum (nicht mehr als drei bis fünf Jahre), kannst du die Aktien zu einem vereinbarten Preis kaufen. Das Recht, deine Option auszuüben, hängt in der Regel von deiner Zugehörigkeit im Unternehmen ab. Wenn die Aktie in der Zwischenzeit im Wert gestiegen ist, erzielst du einen anfänglichen Kapitalgewinn, den so genannten "Veräußerungsgewinn beim Erwerb". Außerdem wirst du zum/zur Eigentümer*in der Aktie und zum/zur Anteilseigner*in des Unternehmens.

3/ Danach kannst du entscheiden, ob du die Aktie behältst (in der Hoffnung, dass sie an Wert gewinnt) oder ob du sie verkaufst, um Gewinn zu erzielen (der sogenannte “Veräußerungsgewinn beim Verkauf”). 

Das Ziel ist natürlich die Realisierung von Kapitalgewinnen

  • Wenn du die Aktien erwirbst (“Option Ausübungsgewinn” oder “Veräußerungsgewinn beim Erwerb”). 
  • Wenn du die Aktien verkaufst (“Veräußerungsgewinn beim Verkauf”). 

Die Vorteile von ESOP

  • Der mögliche Nachlass
  • Der Veräußerungsgewinn beim Erwerb
  • Der Veräußerungsgewinn beim Verkauf
  • Wenn du Aktieninhaber*innerhalb eines ESOP wirst, erhältst du Stimmrechte, um Entscheidungen durch Investor*innen und Unternehmensgründer*innen entweder zu unterstützen oder zu blockieren.

Beispiel

2020: 1000 Unternehmensanteile werden dir zum Ausübungspreis von 10 Euro pro Aktie zugewiesen.

2025: du übst deine Option auf die 1.000 Aktien aus. Der Wert einer Aktie beträgt nun 30 Euro. ➡️ Dein Veräußerungsgewinn beim Erwerb beträgt nun 20.000 Euro ([30-10] x 1000)

2026: du verkaufst deine 1.000 Aktien für 40 Euro pro Aktie. Erhaltener Gesamtbetrag: 40.000 Euro ➡️ Veräußerungsgewinn beim Verkauf: 10.000 Euro (40.000 Euro - 30.000 Euro)

Die Nachteile des ESOP 

30 % der deutschen Start-ups nutzen das ESOP-System, das häufig zur Aufstockung von Gehältern genutzt wird, die unter dem Marktniveau liegen. Das liegt daran, dass 50% der Start-ups Probleme bei der Einstellung neuer Mitarbeiter*innen hat und dies als “größte Herausforderung” ansehen. Mehr als 1 von 4 Start-ups haben Schwierigkeiten, mit ihren größeren Konkurrenten mitzuhalten, die attraktivere Vergütungspakete anbieten. Das solltest du dir zunutze machen.

Beim ESOP-Plan gewährt dir das Unternehmen einen kleinen Teil seines Kapitals. Selbst wenn dein Festgehalt niedriger sein sollte als das von Mitarbeiter*innen bei großen Unternehmen, wird dein Einkommen mit dem Wachstum des Unternehmens steigen.

Beachte jedoch, dass das Geld, das du durch den ESOP-Plan verdienst, vom Erfolg des Unternehmens abhängt und wie lange du in diesem bleibst.

Anders ausgedrückt: Wenn das Unternehmen scheitert, oder wenn du frühzeitig das Unternehmen wechselst, hast du für ein Gehalt gearbeitet, das unter den marktüblichen Sätzen liegt, ohne einen anderen finanziellen Ausgleich! Deshalb liegt es an dir, das Potential des Unternehmens zu bewerten, bevor du dein Gehalt verhandelst. Ist es wahrscheinlicher, dass das Unternehmen das große Geld verdient, oder dass es pleite geht?

Steuern

Der Vorteil: Du zahlst nur Steuern, sobald du deine Option ausgeübt hast.

Der Nachteil: der Veräußerungsgewinn aus dem Erwerb unterliegt der Einkommensteuer. Mit anderen Worten: du zahlst Steuern, ohne zu wissen, ob du jemals vom Weiterverkauf deiner Aktien profitieren wirst.

VSOP (Virtual Stock Option Plan)

80% der deutschen Startups verwenden diese Form der Vergütung. Das liegt daran, dass das Unternehmen dir nur die versprochenen Anteile gibt, wenn es verkauft wird oder an die Börse geht.

Vorher bist du nur scheinbar ein(e) Aktionär*in. Du hältst keine wirklichen Anteile. Du hast weder ein Stimmrecht, noch hast du Zugang zu Informationen, die dir Einblicke in die Zukunft des Unternehmens geben könnten (oder dir helfen, deine Rechte zu schützen).

Vorteile des VSOP

  • Für Laien ist das VSOP einfacher zu verstehen als ein ESOP. Du erhältst einfach einen Anteil an den Gewinnen aus dem Verkauf des Unternehmens. 
  • Kein finanzielles Risiko: du zahlst nur dann Steuern, wenn du das Geld bekommst. Deshalb ist keine Vorauszahlung notwendig. Du zahlst nur beim Verkauf.

Nachteile des VSOP

  • Eine Steueroptimierung ist nicht möglich. VSOPs werden als Einkommen und nicht als Kapitalgewinne besteuert. Sie unterliegen daher sowohl der Sozialversicherung als auch der Einkommensteuer. Die Rendite ist deshalb niedriger als beim ESOP.
  • Ohne Stimmrecht kannst du die Zukunft des Unternehmens nicht wirklich beeinflussen. Du hast keine Möglichkeiten, deine Rechte zu verteidigen.

Fazit

Jetzt, da du alles über Unternehmensanteile weißt, liegt es an dir, die richtige Entscheidung zu treffen. Mit dem ESOP, der mehr Steuererleichterungen bietet, kannst du wertvolles Kapital aufbauen. Letztendlich liegt es an dir, mit deinem Arbeitgeber die Bedingungen zu optimieren, um sicherzugehen, dass sie ihre Versprechen halten.

Auf jeden Fall weißt du jetzt, wie du die häufigsten Fehler vermeidest: ignoriere nicht diesen potenziell lukrativen Aspekt deines Vergütungspakets; unterschreibe keine Vereinbarung, ohne sie vorab gründlich zu prüfen; und verlasse das Unternehmen nicht, ohne die Vorteile voll auszuschöpfen.

Zusammenfassung

No items found.